Die Struktur der Brüderlichkeit wiederherstellen - Teil 1

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Der verhängnisvolle Fehler

Es war einer der intensivsten Momente seines Lebens. Seine Mitmenschen hatten sich wahrscheinlich noch nie so sehr angestrengt und sich noch nie so schnell bewegt. Als die Schlacht abflaute und die Kämpfer sich auf den Hügel zurückzogen, überkam sie ein Gefühl der Erleichterung und Ruhe: Sie hatten es überlebt.

 

Allâh der Allmächtige und Majestätische sagt im Qurân:

 

„Als ihr fortlieft (hinaufstiegt) und euch nach niemandem umdrehtet, während der Gesandte euch von hinten herrief. Da belohnte Er euch mit Kummer für (den) Kummer (des Propheten), damit ihr weder traurig wäret über das, was euch entgangen war, noch über das, was euch getroffen hatte. Und Allâh ist Kundig dessen, was ihr tut. (Sûra 3:153).

 

 

Hier erwähnt Allâh der Hocherhabene ein Ereignis, an das man sich erinnern und über das man nachdenken sollte. Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) stand es aus, mit Wenigen an seiner Seite, und rief die Fliehenden herbei. Es gab völlige Verwirrung, da sich Freund mit Feind vermischt hatte. Viele rechtschaffene Menschen starben in dem Chaos, das folgte, und das Leben des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) schien in Gefahr.

 

Als die gegnerische Armee die Muslime umzingelte, war der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) ungeschützt. Einer der Quraisch dachte, er habe den Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) getötet und verkündete dessen Tod. Um die Behauptung zu dementieren und den Muslimen das Vertrauen wieder einzuflößen, rief der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) laut nach jedem, der ihn hören konnte, und zeigte Stellung. Jetzt wetteiferten die stärksten Kämpfer der Quraisch um den Kopf Muhammads (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken). Sieben Ansâr (Muslime aus Medina) kamen zu seiner Verteidigung herbei und zwei Muhâdschirûn (Ausgewanderte) blieben an seiner Seite. Im Buch Ar-Rahîq Al-Machtûm (Der versiegelte Nektar) wird Folgendes beschrieben:

„Utba ibn Abû Waqqâs bewarf ihn mit Steinen. Ein Stein landete in seinem Gesicht. Sein rechter Unterkieferzahn zwischen dem Eckzahn und dem Vorderzahn wurde verletzt. Seine Unterlippe war verwundet. Er wurde zudem von Abdullah ibn Schihâb Az-Zuhri angegriffen, der seine Stirn aufschlug. Abdullah ibn Qami‘a, der ein verbissener, starker Reiter war, schlug ihm heftig mit seinem Schwert auf die Schulter; und dieser Schlag schmerzte den Gesandten Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) über einen Monat lang – obgleich er nicht stark genug war, seine zwei Rüstungen zu durchbrechen. Ihm wurde ein heftiger Hieb auf seine Wange versetzt, der so stark war, dass zwei Ringe seines eisernen Ringhelms seine gesegnete Wange durchdrangen.“

 

Erst als weitere Prophetengefährten ihm (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) zu Hilfe kamen, waren sie fähig, die feindlichen Kämpfer abzuwehren.

 

Zunächst hatten die Muslime die Armee der Quraisch besiegt. Allâh der Erhabene sagt:

 

„Allâh hat ja Sein Versprechen euch gegenüber gehalten, als ihr sie mit Seiner Erlaubnis vernichtetet, bis dass ihr den Mut verlort und über die Angelegenheit miteinander strittet und euch widersetztet, nachdem Er euch gezeigt hatte, was euch lieb ist. - Unter euch gibt es manche, die das Diesseits wollen; unter euch gibt es aber auch manche, die das Jenseits wollen. - Hierauf wandte Er euch von ihnen ab, um euch zu prüfen. Nun hat Er euch wahrlich schon verziehen, denn Allâh ist voll Huld gegen die Gläubigen. (Sûra 3:152).

 

Da die Schlacht neben dem kleinen Bergausläufer von Uhud stattfand, positionierte der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) vierzig Schützen auf dem Hügel, um sicherzustellen, dass die Quraisch nicht von hinten angreifen. Als die Schützen an ihrem Platz waren, gewannen die Muslime durch die Gnade Allâhs des Allmächtigen und Majestätischen. Bis die Schützen die Anweisungen des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) nicht befolgten und den Hügel hinabstiegen, sodass Châlid ibn Walîd (der zu dieser Zeit kein Muslim war) in der Lage war, die Muslime hinterrücks zu überfallen.

 

Dies war eine unglaubliche Gedulds- und Glaubensprüfung. Wie Allâh der Hocherhabene sagt, geschah es zu dieser Zeit, um einige unterschwellige Wünsche der Prophetengefährten zu enthüllen. Natürlich schützte Allâh der Hocherhabene den Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken). Und die, deren Schicksal es war zu sterben, wären ohnehin gestorben. Doch ihre Entscheidung, für die Kriegsbeute den Hügel hinabzusteigen, hatte nicht nur den Tod vieler Prophetengefährten zur Folge, sondern auch eine Nahtodeserfahrung des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken). Die Offenbarungsbotschaft, wie wir sie heute kennen, war auf Grund einer Entscheidung in Gefahr.

 

Eine Gemeinschaft – errichtet auf dem Islâm

 

„Und haltet alle fest am Seil Allâhs und geht nicht auseinander! Und gedenkt Allâhs Gunst an euch, als ihr Feinde wart und Er dann eure Herzen zusammenführte, worauf ihr durch Seine Gunst Brüder wurdet. Und (als) ihr am Rand einer Feuergrube wart und Er euch dann davor errettete. So macht Allâh euch Seine Zeichen klar, auf dass ihr rechtgeleitet werden möget! (Sûra 3:103).

 

Obwohl diese Verse eigentlich später im Leben des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) geoffenbart wurden, wurden sie vor die Verse von Uhud in Sûra Âlu Imrân platziert. Allâh weist darauf hin, dass die Prophetengefährten vor dem Islâm wenig gemeinsam hatten; sie waren Millionäre und Bettler, Männer und Frauen, jung und alt, von verschiedenen Stämmen, Banditen und Händler, Kämpfer und schwache Männer, groß und klein, gesund und krank, Waisen und Menschen mit umfangreicher Verwandtschaft. Das Einzige, was sie zusammenbrachte, war der Islâm. Und es war das Einzige, das sie in einer derartigen Prüfung zusammenhielt.

 

Wie hätte die Gemeinschaft nach Uhud reagieren sollen? Sollte sie bestraft oder sollte ihr vergeben werden? Die folgenden Verse wurden nach der Schlacht geoffenbart und richteten sich an die Muslime jener Zeit. Man kann daraus viele Lehren ziehen. Ich werde mich jedoch - so Allâh will - ausschließlich auf zwei konzentrieren: Die passende Reaktion derjenigen, die Unrecht taten, und derjenigen, denen Unrecht angetan wurde.

 

1.    Verfallt nicht in das Verbotene!

 

„O die ihr glaubt, verschlingt nicht den Zins um ein Vielfaches vermehrt, sondern fürchtet Allâh, auf dass es euch wohl ergehen möge! Und hütet euch vor dem (Höllen)feuer, das für die Ungläubigen bereitet ist! Und gehorcht Allâh und dem Gesandten, auf dass ihr Erbarmen finden möget! (Sûra 3:130-132).

 

Die Prophetengefährten hatten nicht nur eine traumatische Erfahrung durchlebt, sie waren nun auch in einer finanziell prekären Situation. Sie hatten einen großen Teil ihres Besitzes und ihrer Zeit auf dem Wege Allâhs des Hocherhabenen investiert, nur um jetzt ohne materiellen Besitz nach Hause zurückzukehren. Die Prophetengefährten hatten Familien zu versorgen und Kinder zu ernähren. Doch zu dieser Zeit erinnerte Allâh der Allmächtige und Majestätische die Gläubigen daran, sich von Zinsen (materiellen Ansprüchen) fernzuhalten und im Gehorsam gegenüber Ihm standhaft zu sein. Die Scharia, die zu uns herabgesandt wurde, beinhaltet die Regeln und Richtlinien, um im Jenseits und im Diesseits zu den Erfolgreichsten zu gehören, unabhängig von der Situation.

 

Gleiches gilt, wenn uns Unrecht angetan wird; dann können wir nicht in die Falle der Verleumdung oder des Gelästers über irgendeine Person tappen oder irgendeiner anderen verbotenen Sache verfallen. Oftmals vergessen wir einfach all das Gute, das von dieser Person ausging, und all das Negative kommt uns in den Sinn (zweifellos mit Hilfe des Satans). Und wenn wir diejenigen sind, die einen Fehler begehen, dann ist es äußerst schwierig bei der Wahrheit zu bleiben. In diesen heiklen Zeiten ist es am schwierigsten, an den Richtlinien, die von Allâh festgelegt wurden, festzuhalten, und es ist äußerst leicht, den Einflüsterungen des Satans nachzugeben.

 

 

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