Nach dem Hadsch wird man neu geboren - Teil 1

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Wir haben in einem früheren Artikel erwähnt, wie ein Pilger sein Ego bekämpft, sich um Gottesfurcht bemüht, Almosen gibt und Beschwernisse erträgt, um Belohnung zu erlangen und sich so von seinen Sünden zu läutern, dass er so rein ist, wie ihn seine Mutter einst zur Welt brachte, also wie ein unbeschriebenes Blatt, frei von Sünden.

Wie kann man nach all dem die Seele mit Sünden oder der Rückkehr zu verwerflichen Taten wieder beflecken, nachdem man all dies bereut und den Genuss des Gehorsams und der Süße der alleinigen Verehrung Allâhs gekostet hatte?!
Aber wie kann der Muslim auf dem Pfad des Gehorsams bleiben, ohne davon abzuweichen? Und wie kann er den Zustand seiner neuen Geburt bewahren?
Ein Nicht-Pilger hat sich an den ersten zehn Tagen des Monats Dhû Al-Hiddscha bemüht, damit er das Jahr mit rechtschaffenen Taten beendet. Wie kann er diesen Zustand beibehalten, damit er in diesem Zustand stirbt?
Ich habe bereits einige Angelegenheiten erwähnt, die dabei helfen, dass man zu denen gehört, die aufrichtig sind, den Islâm einhalten, tugendhaft sind, gottesfürchtig sind, das Ego bekämpfen, sich um erlaubtes Einkommen bemühen, sich Wissen aneignen, gute Menschen begleiten, reumütig sind, unrechtmäßig Angeeignetes zurückgeben und stets rechtschaffen handeln.
Wenn der Pilger wieder so unschuldig wie ein Neugeborenes ist, soll er sich nur der Anweisung Allâhs hingeben, nur dem Weg Allâhs folgen, nur am Qurân festhalten und nur der Sunna des Gesandten Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) folgen. Denn er ist ein Neugeborener, der weder von irgendeiner irdischen Lebensweise begeistert ist, noch den Weg Gottes vermeidet. Er praktiziert die Gebote des Qurân und der Sunna und verpflichtet sich, sich Allâh dem Erhabenen anzunähern, und zwar durch Pflichten und freiwillige Taten, die Allâh, der Allmächtige und Majestätische, uns vorschreibt. Diese Taten sind nämlich die besten Dinge, durch die sich ein anbetend Dienender seinem Herrn annähert. Er soll sich von unerlaubten Neuerungen fernhalten und Sünden meiden. Wenn er mit Ribâ (Zins) handelt, soll er wissen, dass der Islâm dies verbietet, wobei der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) dieses Verbot in der Abschiedsansprache betonte und darüber hinaus die islâmischen Regeln nannte, die alle Aspekte des Lebens umfassen, wie etwa Herrschaft, Wirtschaft, Gerechtigkeit gegenüber der Frau, Verbot des Blutvergießens und Schutz der Rechte.
Ein Pilger hat aus seinem Haddsch wichtige Lehren gezogen. So muss er nach dem Haddsch diese Lehren umsetzen. Er hat gelernt, seine Zeit einzuteilen und seinen Alltag an den Gebetszeiten zu orientieren. Er hat beim Verrichten der Haddsch-Riten gelernt, wie wichtig es ist, seinen Alltag zu strukturieren. Ferner weiß er, dass die Muslime ein großes Potenzial haben, wenn sie sich einigen. Warum bemüht man sich denn dann nicht um Eintracht? Wenn ein Pilger sich um das Gedenken Allâhs, das Bittgebet und das Rezitieren des Qurân bemüht, so soll er wissen, dass dies das Instrument des Gläubigen ist. Er soll den Qurân unablässig rezitieren und die Sunna des auserwählten Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) praktizieren, damit er sich der Anweisung Allâhs hingibt sowie auf seine Religion und seinen Islâm stolz ist, Allâh für die Gnade des Islâm dankt und die Gebote des Islâm allen anderen Geboten vorzieht.
 
Ein Pilger hat beim Haddsch gelernt, was es heißt, sich Allâh hinzugeben. Er küsst den Schwarzen Stein, der weder schadet noch nutzt, weil er der Sunna des auserwählten Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) folgt. Er bewirft die Steinsäule mit Steinen, umrundet die Ka'ba, die aus Steinen errichtet wurde – all dies erfolgt, damit er verkündet, dass er ein Muslim ist und sich den Geboten Allâhs hingibt. Wie kann er sich also der Anweisung Allâhs widersetzen? Der Erhabene sagt: „Und wer sich Allâh völlig hingibt und dabei Gutes tut, der hält sich an die festeste Handhabe. Und zu Allâh (führt) das Ende der Angelegenheiten.“ (Sûra 31:22).
 
Was dazu beiträgt, fortwährend Gutes zu tun
Zu den Angelegenheiten, die dabei helfen, stets Gutes zu tun, gehört, dass ein Pilger, der gegenüber seinem erhabenen Herrn beim Schwarzen Stein eine Verpflichtung eingegangen ist und sich Ihm hingegeben hat, sich stets die Frage stellen soll, wie er es überhaupt noch wagen kann, diesen Bund zu brechen? Der Erhabene sagt: „So verhalte dich recht, wie dir befohlen wurde...“ (Sûra 11:112). Der Prophet sagte in einem authentischen Hadîth: „Sprich »Ich glaube an Allâh« und dann sei aufrichtig!“ Der Pilger konnte den Satan erfolgreich bekämpfen und ihn zum Feind erklären. Er hat den Geschmack des Sieges gekostet. Wie kann er es nach all dem wagen, zum Alten zurückzukehren und dem Satan zu gehorchen? Allâh der Erhabene sagt: „Gewiss, der Satan ist euch ein Feind, so nehmt ihn euch als Feind! Er ruft ja seine Anhängerschaft nur dazu auf, zu den Insassen der Feuerglut zu gehören.“ (Sûra 35:6).
 
Er fühlt auch den Ruhm, wenn er sein Ego besiegt, es bezwingt, bekämpft und seiner Neigung nicht folgt. Der Erhabene sagt: „Diejenigen aber, die sich um Unsertwillen abmühen, werden Wir ganz gewiss Unsere Wege leiten. Und Allâh ist wahrlich mit den Gutes Tuenden.“ (Sûra 29:69). Warum folgt er denn dem inneren Schweinehund? Der Erhabene sagt: „... Die Seele gebietet fürwahr mit Nachdruck das Böse, außer dass mein Herr Sich erbarmt. Wahrhaftig! Mein Herr ist Allvergebend und Barmherzig.“ (Sûra 12:53). Er muss fortwährend gegen sein Ego ankämpfen und versuchen sich soweit zu erziehen, dass man selbstkritisch wird und Seelenruhe findet. Wer sein Ego im Zaum hält und gegen seinen Satan kämpft, kann sich für Allâhs Sache bemühen und erfolgreich gegen Heuchler vorgehen.
 
Wenn er dennoch einen Fehltritt begeht oder schwächelt, soll er sogleich etwas tun, was den Satan erzürnt, indem er zum Gehorsam gegenüber dem Allerbarmer und zur Reue zurückkehrt und sich fest dazu entschließt, dass er diese Sünde oder diesen Fehltritt nie wieder begeht und häufig Allâh um Vergebung bittet. Jede Reue, die er beabsichtigt, wird ihm bei seiner Belohnung angerechnet. Der Erhabene sagt: „Und wer etwas Schlechtes tut oder sich selbst Unrecht zufügt und hierauf Allâh um Vergebung bittet, wird Allâh Allvergebend und Barmherzig finden.“ (Sûra 4:110).
 

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